Erzählkunst  & pfiffige Stadtführungen
in Ludwigsburg

Der Affe und das Nilpferd

An einem sonnigen Tag saß ein Affe oben in der Krone eines Baumes und schaute neugierig ins Land. Da sah er auf der anderen Seite des Flusses einen Garten mit Melonen. Die leuchteten saftig grün in der Sonne. Der Affe bekam furchtbare Lust auf Melonen! Das Wasser lief ihm schon im Mund zusammen. Aber ach! Wie sollte er über den Fluss kommen? Der Affe wusste, dass sein Freund, das Nilpferd, auch sehr gerne Melonen ass. Schnell kletterte er vom Baum herunter und sprang zum Nilpferd. «Freund, hör mal!», rief er schon von Weitem. «Ich habe ein herrliches Melonen-Feld entdeckt, das wäre doch etwas für dich.»
«Wo ist es?», fragte das Nilpferd gierig.
«Du musst durch den Fluss, dann nach rechts, ein Stück geradeaus, nach links und dann wieder nach rechts, und dann siehst du das Feld.»
«Das kann ich mir nie merken», jammerte das Nilpferd. «Könntest du mich nicht hinführen, du bist doch mein Freund?»
«Natürlich, gerne», antwortete der Affe. «Aber wie soll ich über den Fluss kommen, ich kann ja nicht schwimmen.»
«Ich kann schwimmen», meinte das Nilpferd. «Ich nehme dich einfach auf meinen Rücken und trage dich hinüber.» So kletterte der Affe auf den Rücken des Nilpferds, machte es sich auf dessen Rücken bequem und ließ sich von dem Nilpferd über den Fluss tragen. Als sie zu dem Melonen-Feld kamen, sagte der Affe: «Friss du nur. Ich hole mir eine Melone, klettere auf den Baum und passe auf, dass der Wächter uns nicht erwischt. Man hat dort einen guten Blick nach allen Seiten.»
«Das ist sehr lieb von dir», sagte das Nilpferd und machte sich über die Melonen her. Der Affe aber packte eine große Melone, kletterte auf den erstbesten Baum und öffnete die Melone. Ach, wie süß die Frucht war! Ach, wie süß sie dufteten! Der köstliche Saft floss über sein Kinn. Als der Affe sich satt gegessen hatte, kletterte er vom Baum. Das Nilpferd stand noch mitten im Feld, fraß, kaute langsam und ließ sich Zeit. Dem Affen wurde langweilig. «Wir sollten jetzt gehen», meinte er. «Ach, warte noch ein Weilchen, ich bin noch nicht fertig», bat das Nilpferd.
«Ich möchte aber nicht warten», sagte der Affe und hüpfte von einem Bein auf das andere.
«Ich komme ja schon, nur noch diese eine Melone», bat das Nilpferd. Der Affe aber mochte nicht warten und so rief er: «Wenn du nicht gleich kommst, rufe ich den Wächter.»
«Tu das nicht», bat das Nilpferd. «Er würde mich mit dem Stock schlagen.» Der Affe aber hatte genug vom Warten und schrie laut: «Wächter komm herbei! Ein Nilpferd ist im Feld. Es frisst deine Melonen!»
«Bitte nicht!», rief das Nilpferd. Der Affe aber lief zum Fluss und schrie die ganze Zeit weiter. Der Wächter hörte das Geschrei, sprang auf, rannte zum Nilpferd schlug es mit seinem Stock, um es zu vertreiben. Das Nilpferd lief jammernd aus dem Feld zum Fluss, wo der Affe stand. «Warum bist du nicht gleich gekommen?», sagte der Affe. «Dann hätte der Wächter dich nicht geschlagen.»
«Du bist schuld!», jammerte das Nilpferd. «Du hast ja den Wächter gerufen.»
«Ich?», fragte der Affe.
«Wer den sonst?», schimpfte das Nilpferd. Der Affe kratzte sich ein Weilchen hinter dem Ohr und sagte dann: «Weißt du, Nilpferd, ich kann mich gar nicht erinnern, dass ich den Wächter gerufen habe. Aber manchmal überkommt es mich einfach und dann muss ich Dinge tun, die ich sonst nie tun würde. Es ist nicht meine Schuld.»
«Nun gut», meinte das Nilpferd. «Komm jetzt auf meinen Rücken. Wir wollen nach Hause.» Der Affe sprang auf den Rücken des Nilpferds und machte es sich auf dessen Rücken bequem. Als sie mitten im Fluss waren, rief das Nilpferd plötzlich: «Ich werde jetzt kurz untertauchen.»
«Aber nein!», rief der Affe erschrocken. «Auf keinen Fall! Da werde ich nass und ich kann nicht schwimmen!»
«Weißt du, Affe, manchmal überkommt es mich einfach und dann muss ich Dinge tun, die ich sonst nie tun würde. Es ist nicht meine Schuld.» Und mit diesen Worten tauchte das Nilpferd unter.
«Hilfe!», schrie der Affe als er ins Wasser plumpste. Der Fluss war nicht tief und der Affe paddelte schon bald nass ans Ufer. Aber von dem Tag an spielte er seinem Freund, dem Nilpferd, keinen bösen Streich mehr.

Tibetische Märchen, Erzählfassung Xenia Busam Mai 2026


Meine Bitte an all diejenigen, die die Geschichte gelesen haben:

Bitte kreuzen Sie an, was für Sie zutrifft. Danke!

  Einfach schön ...   Die Geschichte berührt mich ...   Die Geschichte amüsiert mich ...   Die Geschichte bringt mich zum Nachdenken ...   Nichts von alledem ...


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